kathi


Was bedeutet dir Skateboarding?

Seitdem ich mich auf dem Board halten kann, ist Skateboarding für mich zu einer Passion und Lebenseinstellung geworden. Ich kann mich einfach damit identifizieren, weils ein Teil meines Wesens widerspiegelt oder für andere sichtbar macht, und sei es das Kind in mir. Gerade das will ich ja nicht verlieren. Menschen, die meinen ich sei doch so langsam aus dem Alter raus, haben nicht verstanden, dass es im Leben darum geht, sich seine Kindlichkeit zu bewahren. Die Euphorie, die ich für den Sport entwickelt und den Spaß den ich dabei habe, erfüllen mich tagtäglich mit sehr viel Glück. Ich kenne viele Menschen in meinem Alter, die das nicht mehr nachvollziehen können. Sie scheinen dieses Gefühl schon vergessen zu haben und sich zeitlich so eingeschränkt, dass sie nicht mehr danach auf die Suche gehen. Ich bin froh, dass ich im Skaten eine Leidenschaft gefunden haben, die mich so sehr in ihren Bann zieht. Wenn ich fahre, kann ich alles andere vergessen und lasse mich ganz darin fallen..dann bin ich glücklich, obwohl ich vielleicht gerade eine schwere Zeit durchmache oder viel Stress habe. Bei keiner anderen Beschäftigung kann ich so intensiv „im Moment leben“ und das genießen was ich gerade tue, das fühlen, was ich gerade fühle.

 

Wo rollst du am liebsten? Welche Spots skatest du am liebsten?

Ich versuche immer viel rum zu kommen, was leider aufgrund akuten Zeitmangels für meinen Geschmack nicht oft genug klappt, nicht mal innerhalb des Ruhrgebiets. Deswegen bin ich froh, dass es in Dortmund zumindest ein paar Ecken gibt, wo man sich ganz gut auspowern kann. Der Skatepark am Keuninghaus ist bei schlechtem Wetter immer noch eine gute Alternative, wenn ichs z. B. nicht einrichten kann zu den OMSA-Bowls nach Düsseldorf zu fahren. Klar, andere Orte haben die besseren Spots; die Parks in Münster, Duisburg oder Hemer sind schon eine Reise wert. Aber ich gebe mich eigentlich immer recht schnell zufrieden, wenn ich die Möglichkeit habe viele verschiedene Sachen an einem Spot zu üben, weil ich mich auch nicht auf irgendwas spezialisieren will. Ich fahre Transition genauso gerne wie Bowl oder Street. Ansonsten ist mein Brett ohnehin mein ständiger Begleiter und wird überall da vom Rucksack geschnallt, wo meine Füße glatten Boden berühren. Deswegen, eigentlich ist es mir auch gar nicht so wichtig wo ich mich gerade befinde, hauptsache ich rolle überhaupt. Am meisten Fun hatte ich bisher in Malmö, Schweden. So etwas wie den Bryggeriet Skatepark vor der Tür wäre mein Traum.

 

Was macht dir beim Rollen am meisten Spaß?

Beim Skaten gefällt mir einfach das Feeling an sich, wenn ich z. B. beim Downhill den Wind in meinem Gesicht spüre und der Asphalt meine Sohlen kribbeln lässt. Ich tue mich noch sehr schwer neue Tricks zu lernen, aber manchmal passiert`s ganz ohne Vorwarnung, dass sich etwas so perfekt anfühlt, ganz so, als sei ich eins mit dem Brett. Das ist so ein schöner Moment! Dann hab ich Tagträume, weil ich jetzt eine Vorahnung habe, wie es sich anfühlen sollte. Der nächste Versuch wird meist wieder nichts, aber das ist ok, zumindest merke ich so, dass ich Fortschritte mache, obwohl ich oft mehrere Wochen meine auf der Stelle zu treten. Das ist das Tolle beim Skaten...es gibt keine Limits, ich werde nie sagen können, ich kanns, weil es immer neue Herausforderungen geben wird. Beim Teamsport hat mir das irgendwann gefehlt. Ich hatte das Gefühl Saison für Saison keine Veränderung in meinem Spiel oder der Teamleistung zu sehen. Beim Skaten bin ich allein für meine Leistung verantwortlich und kann mich immer weiter steigern. Ich kann mich auch gut ganz alleine verausgaben und 'ne Stunde lang meinen Pop verbessern, aber meistens bin ich mit mehreren Leuten unterwegs. Das Zusammenfahren mit anderen, 'ne fette Session mit der Clique, ist wohl das Spaßigste von allem!

 

Wie bist du zum Skateboarding gekommen?

Hahaha! Das werde ich nie vergessen. Die ersten (kläglichen) Versuche habe ich mit meiner Freundin Inga unternommen, die zu dem Zeitpunkt schon richtig gut fahren konnte. Ich wollte es so gerne lernen, aber brauchte da unbedingt noch mehr Unterstützung. Wie das Schicksal es so wollte, traf ich einige Monate später zwei Jungs meiner heutigen Dortmunder Crew nach einer durchzechten Nacht im „Keller“. Wir hatten den gleichen Heimweg und kamen ins Gespräch. Da unser Weg am Stadtgarten vorbei führte, kamen wir aufs Thema Skateboardfahren und ich war total gestoked durch Zufall auf Gleichgesinnte getroffen zu sein. Dank diverser Social Networks hab ich die Jungs im Netz ausfindig gemacht und einfach nochmal angeschrieben, ob sie mich mal mitnehmen könnten. Ich fands super wie nett mich alle aufgenommen und motiviert haben dabei zu bleiben. Seither sind die Jungs nicht nur Skaterkollegen sondern richtig gute Freunde geworden. Beizeiten kommt da schon das überwältigende Gefühl auf Teil einer großen Familie zu sein, wenn wir auch abseits des Parks zusammen sitzen und ne Menge Spaß haben. Da schaue ich manchmal ganz verträumt in die Runde und bin glücklich...und das obwohl mein Board gerade in der Ecke liegt.

 

Warum denkst du, dass viel mehr Mädels aufs Skateboard steigen sollten?

Ich denke es interessieren sich heutzutage schon sehr viel mehr Mädchen für den Sport und spielen mit dem Gedanken es zu versuchen, doch irgendwas scheint vielen dann doch zu fehlen die Sache ernsthaft anzugehen. Ab und an sieht man mal ein paar mit Board auf dem Rücken, aber das scheint mir oft mehr Accessoire als Sportgerät zu sein. Wie in allen anderen Bereichen auch, muss man am Anfang eine Menge Geduld aufbringen und den Willen haben es nicht nach kurzer Zeit wieder an den Nagel zu hängen. Wie oft schien mir alles hoffnungslos und vergebene Liebesmüh zu sein, aber über den Punkt muss man halt hinweg kommen und einfach weiter machen. Klar, es gehört schon ein bisschen was dazu sich gegen die männliche Überzahl im Park durchzusetzen, aber davon sollen sich die Mädels nicht beirren lassen. So blöd, wie die Jungs immer tun, finden sie uns nämlich gar nicht, auch wenn das manchmal den Anschein macht. Für die ersten Versuche rate ich, sich nicht unbedingt in das größte Getümmel zu stürzen. Es gibt nette ruhige Fleckchen, wo man seine Ollies erstmal im Stand üben kann. A und O allerdings ist sowieso erstmal das Boardgefühl zu entwickeln. Dafür am besten Board vom Rucksack abschnallen und fahren, fahren, fahren!

Ich fänds toll, wenn sich die Anzahl aktiver Fahrerinnen in den nächsten Jahren steigern würden. Mittlerweile gibt’s ja sogar schon Möglichkeiten für Mädels nur unter sich zu fahren, wie z. B. montags in den Abenteuerhallen in Köln-Kalk. Diejenigen, die sich erstmal scheuen mit Jungs zu fahren, sollten diese Angebote mehr nutzen und sich einfach mal trauen. In diesem Sinne: Girls, GO SKATE!